Trauma Trauer e1511119522331 - Warum die Trauer in meinem Leben Raum bekam!

Warum die Trauer in meinem Leben Raum bekam!

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Transgene rationale Traumata:

Für mich ist es ein sehr wichtiger Beitrag, der Auswirkung auf uns als Familie hat. Wenn wir dieses übersehen und verdrängen, transgene rationale Traumata, werden diese oft unbewusst von einer Generation zur nächsten Generation weitergeben. Wie in der Bibel schon geschrieben „der die Missetat der Väter heimsucht über die Kinder ins dritte und vierte Glied“.

Meine Geschichte:

Ich bin in der DDR aufgewachsen, mit meiner Mutter, meiner Halbschwester und meinen Stiefvater. Meine Mutter und mein biologischer Vater trennten sich, als ich 3 Jahre alt war.

Mein Vater heiratete wieder und so habe ich noch ein Halbbruder und ein Stiefbruder (Pflegekind meines Vaters und seiner neuen Frau). Die Familie meiner Mutter hat sehr viele Kriegs-Traumata erlebt, zwei Geschwister meiner Ur-Großeltern sind gefallen, mein Ur-Großvater kam in französische Kriegsgefangenschaft, meine Ur-Oma zog in einem vom Krieg gezeichneten Deutschland meine Oma und meine Groß-Tante allein auf und wurden mit amerikanischen Soldaten konfrontiert, die Ihr den Ehering nahmen und vieles mehr.

Es wurde nie darüber gesprochen. Meine Oma heiratet nach der Geburt meiner Mutter, meinen Opa, der ebenfalls Kriegs-Kind war, er wurde in Świdnica (Niederschlesien) geboren zusammen mit seinen zwei Geschwistern.

Meine Ur-Oma hatte 1945, wo meine Familie vertrieben wurde, viel getragen und ausgehalten. Mein Ur-Opa galt seit dem 01.01.1945 als vermisst, erst am 14. August 2009 wurde mein Ur-Opa in Neumark (Stare Czarnowo) Polen beigesetzt und seine Daten in das Gedenkbuch verzeichnet.

Wir sprechen von über 64 Jahre!

Mein Opa der viele Jahre seinen Vater suchte, meine Familie und ich wussten nichts und mussten mit diesem Schicksal leben. Eine Begebenheit, an der ich mich gut erinnere, als junge Frau von 19 Jahren, fuhr mein damaliger Mann und ich an die Ostsee in den Urlaub.

Er wollte einen Abstecher nach Polen machen. In mir kroch Angst und Panik hoch, wenn ich aus diesem Land nicht mehr herauskomme und so weiter- reines Kopfkino. Mein Glück war, dass ich mein Reisepass nicht dabei hatte und so konnten wir nicht über die Grenze.

In mir kamen Sätze hoch, die ich zu DDR Zeiten viel gehört habe: die Polen bringen Läuse, die Polen sind ganz schlimme Menschen, Sätze wie: Achtung die Polacken etc. kannte ich zutiefst.

Ich erzählte meinem Opa von der Angst vor den Polen und er erzählte mir, wie schlimm die Vertreibung für ihn war. Dass sie in Güter-Züge gepfercht, wie Vieh behandelt wurden. Meine Ur-Oma mit 3 kleinen Kindern musste, dass alles auf sich nehmen. Die Familie wurde auseinandergerissen, ein Teil der Wojciechowski Familie lebte im Erzgebirge in Ost-Deutschland, ein anderer Teil in Niedersachsen in West-Deutschland- getrennt durch eine Mauer!

Mein Opa erzählte mir, dass er die Polen hasse und er nie wieder die polnische Sprache sprechen möchte. Wo er das ausgesprochen hatte, löste sich etwas in mir. Als ich 2006 mit meinem verstorbenen Manne nach Polen fuhren besuchten wir Świdnica (Schweidnitz).

Als ich in der Kirche stand, wo meine Ur-Großeltern geheiratet und mein Opa getauft wurde fing ich an zu weinen. In mir kam ein warmes Gefühl hoch „Ja Oma ich bin angekommen, ich bin daheim“!

Heute liebe ich Polen und ich bin stolz, dass in mir slawische, skandinavische, französische und deutsche Vorfahren meine Ahnenreihe bereichern. Mir ist vieles nicht mehr so fremd und auch mein Temperament, meine Sensitivität und Spiritualität das fühlt sich für mich immer ganzer an.

Meine Familie hat viele Schicksalsschläge, Traumata und Verluste erlebt, heute ist mir klar, warum ich meinen verstorbenen Mann kennengelernt, vieles getragen habe durch seine Krankheit und vieles Erleben musste, auch meine Töchter.

Was hat das für einen Sinn?

Niemand in meiner Familie hat das alles angeschaut, vieles wurde „Tot geschwiegen“ durch das Regime, durch die Mentalität meiner Familie. Ich habe mir nicht umsonst das Thema Trauer in meinen Leben ausgesucht, allein die vielen Verluste, die ich schon erlebt habe, reichen für eine ganze Generation. Es stiftet Sinn, es ist meine Aufgabe dieses zu durchbrechen und hinzuschauen und aufzulösen, dass was ich hier tue, tue ich für meine Kinder und Kindes-Kinder.

Wie gehe ich heute mit Trauer und Traumata um?

Ich habe mir immer Hilfe von außen gesucht, fast niemand schafft diesen Weg allein, ich habe meine Töchter mit einbezogen. Nach dem Tod ihres Papas habe ich Rituale eingeführt, wie: an Gedenk-Tagen backe ich Kuchen und wir trinken Kaffee und erzählen Geschichten von ihrem Papa, zünden eine Kerze an und zu Weihnachten stellen wir einen Ast vom Weihnachtsbaum aufs Grab und hängen eine Kugel dran. Wir sprechen von ihm so, als ob er da wäre, weil er in unserem Herzen und Gedanken ist.

Meine Fehlgeburten, die ich erlitt, haben einen Platz in der Familie bekommen, da gibt es die zwei großen nicht lebenden Kinder, zwei erwachsene Kinder aus erster Ehe, meine Töchter und die zwei jüngeren Sternenkinder. Alles hat seinen Platz. Der Tod, das Sterben und die Trauer habe ich in unser Leben integriert, genauso wie sie von den Kriegserlebnissen meiner Groß-Ur-Großeltern, dass wir mehrere Kulturen in uns vereinen, wissen.

Kinder und Trauer?

Meine beiden Töchter waren damals 11 und 8 Jahre alt, mitten in der Vor-Pubertät die eine, die andere noch ein Kind. Jede von Ihnen hat ihren eigenen Weg gefunden. Wir waren damals in einer Trauerbegleitung.

Meine Töchter sind in eine Kinder – Trauer Gruppe auf das Alter entsprechend zugeschnitten gegangen und ich in einer Erwachsenen Gruppe.

Während ich in meinen Gefühlen der Überforderung, der Trauer und der Ausweglosigkeit hin zu „legt mich doch einfach dazu“ Gefühlen kämpfte hat gerade die Jüngste ihren Halt durch eine Freundin gefunden, die in die Katholische Kirche geht. Meine Jüngste hat dort Halt und Trost gefunden, sodass sie sich Taufen und Firmen ließ. Ein Kuscheltier namens Feifel, dass sie als imaginären Hamster an Ihrer Seite hatte, war ihr Zuhörer, Trostspender und Unbeschwertheit. Mittlerweile hat sie schon den zweiten lebenden Hamster. Sie ist ein fröhliches und aktives Kind.

Meine mittlere Tochter hat auch ganz normal Ihren Alltag gelebt, sie ist mehr introvertiert, sie hat viel getragen, hatte Angst auch noch die Mama zu verlieren, hat Verantwortung übernommen was sie nicht musste, zu viel für ein Kind. Trotz allem, dass ich das Privileg einer Haushaltshilfe für jeden Tag hatte, zeigte meine mittlere, erste psychosomatische Reaktionen, Essen und später Aggressionen.

Ihre kleine Seele, die viel erlebt hatte, wehrte sich. Letztes Jahr nach dem Tod Ihrer Oma klappte sie zusammen, mit einer Angststörung und begann eine stationäre Therapie, die jetzt in einer ambulanten fortgesetzt wurde.

Sie festigt sich jeden Tag, es geht einen Schritt vorwärts und zwei zurück oder mehrere vorwärts und dann mal einen Schritt zurück.

Fazit:

Wir haben in den 6 Jahren nach dem Tod meines Mannes viel gelernt und ich durch meine Familiengeschichte. Früher haderte ich mit meiner Situation und meinem Leben, heute sehe ich viel Positives darin. Ich weiß, wovon ich spreche, es waren nicht nur Ausbildungen die ich absolvierte, sondern ich habe es am eigenen Leibe erlebt, Erfahrungen gemacht und es ist gut so. Ich habe mich durch Therapien unterstützen lassen wie Familienaufstellung, Energetische Psychotherapie, Maltherapie, Traumatherapie, Trauerbegleitung und Gespräche.

So finde ich immer mehr zu mir und kann meiner Familie und anderen Menschen dienen.

Es ist nie zu spät aus dem Kreislauf der eigenen Verstrickungen auszubrechen und Dein Leben zu leben!

Du hast es in der Hand von Herzen!

 

Alles Liebe Deine Manuela

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Christian

sehr bewegend